Ausnahmezustand

Ja, nur so kann ich die letzten Monate beschreiben! Es war mir nicht klar, daß eine Krankheit meine kleine Familie so durcheinander wirbeln und an den Rand des Erträglichen führen könnte.

Zumal der Betroffene – als Schwager – zum engen Familienkreis, aber nicht zum harten Kern gehört.

+++++

Der Single-Schwager hatte vor 4 Jahren eine Diagnose bekommen, die er weitest gehend verschwieg bzw. ignorierte. Es tat ja nix weh und Beschwerden hatte er auch keine, angeblich. Und wo diese Krankheit ihre Ursache hatte ist bis heute ungeklärt.

Wie das aber mal so ist mit Dingen die man nicht beachtet, sie sind trotzdem nicht verschwunden, sondern bauen sich im geheimen auf.

So auch hier. Mitte Oktober kam eine akute Phase und der erste Krankenhausaufenthalt. Nach zehn Tagen war der alte Zustand wieder hergestellt.

Leider war er mit der Medikamentengabe überfordert, nahm sie mal doppelt oder garnicht. Nach drei Tagen (!) kam der nächste Schub. Aber heftig! Also wieder Krankenhaus. Es wurden noch weiterführende Untersuchungen gemacht und uns der Ernst der Lage erklärt. Mein Oldie verschloss davor Augen und Ohren, es handelte sich schließlich um seinen einzigen Verwandten!

Während der nächsten 14 Tagen bis zur Entlassung regelten wir die künftigen Tablettengaben mit einem Pflegedienst und bestellten Essen beim Roten Kreuz.

Das funktionierte auch einigermaßen, bis ein Anruf aus der Klinik die neuen Untersuchungsergebnisse brachte. Es waren zwei Tumore an der Leber gewachsen.

Nun hieß es, eine geeignete Behandlung auswählen. Sollte/musste operiert werden? Oder besser so weiter machen und auf eine Spenderleber hoffen? Aber wann fängt das Ding an zu streuen? Wenn andere Organe befallen sind, nützt auch eine Spenderleber nicht mehr viel ….

Der Patient entschied sich für eine RFA Behandlung. OP Termin war der 6.1. und es ging alles gut. Und es ging auch drei Tage aufwärts und der REHA-Termin stand schon fest.

Dann musste plötzlich Wasser aus der Lunge abgeleitet werden; dann war eine Entzündung an der Lungenspitze; dann stimmten die Nierenwerte nicht mehr; der gesamte Körper schwoll an durch Wassereinlagerungen …. und die Ärzte bekamen das alles nicht in den Griff.

Nach einem massiven Kreislaufzusammenbruch musste der Schwager auf der Intensivstation weiterbehandelt werden. Dann gab es unklare Entzündungswerte die mit Antibiotika bekämpft wurden. Die Nieren versagten den Dienst, was Dauerdialyse bedeutete. Sein Leben hing nun von Maschinen ab. Das einzige was er noch selbstständig tun konnte war atmen, aber da machte man uns auch keine großen Hoffnungen mehr …

Und es kam dann schneller als gedacht. Die Atmung setzte aus, es musste intubiert werden. Dazu wurde eine leichte Narkose gemacht, aus der er nicht mehr erwachte …

 

Ein Arzt erklärte uns, daß die Wunde um den Lungenschlauch von Bakterien befallen war, welche ein multiples Organversagen ausgelöst haben!

FAZIT:  Operation geglückt, Patient tot!

*****

Heute haben wir den Schwager zu Grabe getragen. Es wird noch vieles zu regeln und zu richten sein, bis wieder Ruhe einkehrt. Wir werden noch so manches mal lachen und weinen in Gedanken an ihn!

Was mir persönlich aber lange nachhängen wird, ist diese Angst in seinem Blick bei meinem letzten Besuch, einen Tag vor seinem Tod!

img-20170210-wa0004

Advertisements

Über zauberhexe

Ich blogge über den alltäglichen Wahnsinn des Lebens ; Haustiere ; und ganz besonders gerne zeige ich hier Fotos.
Dieser Beitrag wurde unter alltägliches, trauriges abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s